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Frage:  Was ist der aktuelle Stand: Welche Beeinflussung von Risikofaktoren "lohnt" sich im Alltag?
 
Antwort: Eine außerordentlich wichtige Frage, denn das Leben muss "leb-bar" bleiben und ich lebe nicht, um von morgens bis abends meine Risikofaktoren zu optimieren.
1. Einfach zu messen und einfach zu beeinflussen und von sehr hohem Nutzen ist die Behandlung des Bluthochdrucks. Dadurch wird insbesondere das Schlaganfallrisiko gesenkt. Zielwert mindestens unter 140/90 (wenn möglich und verträglich niedriger), für Diabetiker mindestens unter 140/85 mm HG.
2. Einfach zu messen und einfach zu senken ist ein erhöhter LDL-Cholesterinspiegel durch ein Medikament aus der Gruppe der Statine, ggf zusätzlich Ezetimib oder bei sehr hohem Risiko ein PCSK9-Antagonist wie Evolocumab. Auch hier ist ggf. bei Risikopatienten der Nutzen sehr hoch.
3. Einen sehr  großen Nutzen hat ferner die Beendigung des Nikotingenusses.
 
An dieser Stelle muss man gedanklich einen Strich machen. Alle weiteren Maßnahmen haben einen deutlich geringeren Nutzen. 
 
4. Behandlung eines Diabetes II mit Metformin und evt. Empagliflocin oder Dapagliflozin (z.B Jardiance). Dabei sind Metformin und Empagliflocin/Dapagliflozin nach wie vor ziemlich "allein auf weiter Flur" bei den Behandlungsmöglichkeiten des Diabetes II, wenn es um die Beeinflussung des Risikos für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herztod geht. Z. B. bringen die neuen Medikamente aus der Gruppe der Gliptine  gar keine Reduktion dieser Risiken. Die Sulfonylharnstoffe erhöhen das  Herzkreislaufrisiko eher.
5. Köperliche Aktivität: Mäßige Belastung 5x pro Woche für je 30-60 min. scheint am günstigsten zu sein (langsames Jogging, Walken). Dabei gibt es keine wirklich überzeugende prospektive Studie zu diesem Thema, vgl. die LOOK-AHEAD-Studie. Mir scheint  der eigentliche Nutzen der körperlichen Aktivität in der Besserung Lebensqualität zu liegen, Alltagskompetenzen werden dadurch bis in Alter erhalten. 
6. Geringer regelmäßiger Alkoholgenuss scheint doch keinen Nutzen zu haben.
7. Sog. Idealgewicht ist nicht anzustreben, wenn möglich aber ein BMI von 25-35.
8. Die Diätempfehlungen ("Mittelmeerdiät") scheinen eine gewisse Grundlage auch in Studien zu haben.  Hier muss aber jeder selber abwägen, ob es "sein Ding" ist. Immerhin greift eine lebenslange Ernährungsumstellung doch tief in das Leben ein.
(27.04.2015, Update 26.05.2016, 03.09.2017)

 
 
Frage: Jüngst las ich, dass die europäische Kardiologenvereinig (ESC) die Leitlinien z.B. zu Bluthochdruck und Behandlung des Diabetes aktualisiert hat. Was sind das eigentlich für Leitlinien und was bedeuten sie?
Antwort: Die Leitlinien richten sich zunächst an die Profis, also meist an ÄrztInnen. Die Leitlinien sollen den ÄrztInnen das gesicherte Wissen an die Hand geben und in Therapieempfehlungen bündeln.
Die darin ausgesprochenen Empfehlungen haben 2 Teile:

Im ersten Teil wird der Inhalt genannt und mit
I
             (klare bis zwingende Empfehlung)
IIa          (deutliche Empfehlung)
IIb          (schwache Empfehlung)
III           (keine Empfehlung, manchmal wird direkt abgeraten)
bewertet.

Dahinter findet sich immer ein Buchstabe:
A bedeutet sehr klare Evidenz für die Aussage, also 2 große Studien oder eine große und mehrere kleine, diese Aussage wird sich demnach in Zukunft sehr wahrscheinlich nicht ändern.
B bedeutet die Evidenz ist schwächer, sie beruht auf einer großen Studie oder mehreren kleineren. Es könnte in Zukunft sein, dass sich die Meinung zu diesem Thema ändert.
C bedeutet es gibt keine Studien, aber die Experten stimmen überein.

Beispiele: Die Empfehlung: "Bei Patienten mit erhöhtem LDL-Cholesterinspiegel sollte nach einem Herzinfarkt ein Statin gegeben werden" ist eine I A  Empfehlung. Klare Empfehlung, sehr gut abgesichert.

Die Empfehlung: "Bei hochgradiger Herzklappenverengung der Mitralklappe sollte ein Herzklappenersatz oder eine Klappensprengung angestrebt werden" ist eine I C  Empfehlung. Die Empfehlung ist klar, jeder ärztliche Verstand sieht das ein, es gibt aber keine guten Studien, weil das ethisch nicht vertretbar wäre (die Kontrollgruppe bekäme die Therapie ja vorenthalten).

Bei den jetzt vorgestellten Leitlinien (zu finden unter www.escardio.org, dann auf "guidelines" gehen) lässt sich beobachten, dass eine Vereinfachung und verbesserte Übersichtlichkeit der Leitlinien angestrebt wurde. Bisher bestand manchmal das Problem, dass um der Wissenschaftlichkeit willen die Empfehlungen sehr detailliert und unübersichtlich wurden, so dass nur wenige sie  wirklich in allen Einzelheiten umsetzten.
(05.10.2013)



Frage: Ich, 55 Jahre alter Mann, 175 cm, 76 KG, keine bekannnten wesentlichen Risikofaktoren der  vorzeitigen Atherosklerose, möchte etwas für mein Herz-Kreislaufrisiko tun. Ich bin verunsichert, so viele Empfehlungen sind in den letzten Jahren gekommen und gegangen. Was von den "natürlichen" Maßnahmen macht Sinn?

Antwort: Sie haben mit Ihrer wichtigen, täglich gestellten Frage vollauf recht: Es ist viel Unsicherheit entstanden.
1.  Bitterschokolade mit hohem Kakaoanteil.
Bringt etwas, aber nicht viel. Nach einer Übersichtsarbeit müssen etliche tausend Kilo Bitterschokolade verzehrt werden, um einen Todesfall einzusparen. Das ist nicht genug Effekt, um es bevölkerungsweit zu empfehlen.
2. Alkohol, insbesondere Rotwein.
Bringt vielleicht (wirdd neuerdings ja wieder bestritten) etwas, aber ich habe große Probleme, Alkohol bevölkerungsweit als Medizin zu empfehlen. Nach den Daten der Interheart-Studie (sehr lesenswert und in der vorliegenden Fragestellung fundamental) bringt ein geringer täglicher Alkoholgenuss eine Reduktion der Infarktwahrscheinlichkeit um etwa 10%. Es gibt aber methodische Probleme, da die "trockenen Alkoholiker" der Nichtalkohol-Gruppe zugeschlagen werden. Wenn man sie herausrechnet, verschwindet der positive Alkoholefffekt.
3. Tägliche Bewegung.
Bringt nach den Interheart-Daten eine Reduktion der Infarktwahrscheinlichkeit um 20-30%. Andere Arbeiten (LOOK AHEAD u.a.) sind zurückhaltender.
4. Gewichtsreduktion.
Ist in Ihrem Falle nur sinnvoll, wenn Sie wenig Muskelmasse und ausgesprochen viel Bauchspeck aufweisen. In diesem Falle würden Sie durch Muskelaufbau und Abspecken einen Vorteil von 10-20% haben.
5. Omega-3-Fettsäuren.
In Tablettenform nicht sinnvoll.
6. Verzicht auf Eier, Butter.
Kein Effekt belegt.
7. Nüsse oder Olivenöl.
In einer neueren spanischen Arbeit senkte 1 l Olivenöl pro Woche oder 30 g Nüsse pro Tag (nicht Erdnüsse) das Ereignisrisiko um 30% (untersucht wurden dabei Diabetiker oder Risikopatienten; der prozentuale Effekt war groß, die absoluten Zahlen klein).
8. Vitamine, Nahrungsergänzungen.
Kein Effekt belegt.
9. Folsäure, sog. freie-Radikalfänger und C1-Donatoren.
Kein Effekt belegt.
Wenn Sie mich direkt fragen, was ich selber mache: Tägliche Bewegung, Gewicht normal halten, Muskelaufbau (maßvoll). Alkohol vertrage ich nicht und lasse es sein, alles übrige überzeugt mich nicht. Ich nehme allerdings täglich 10 mg Atorvastatin (CARDS-Studie, JUPITER-Studie). Ich bin davon überzeugt, dass das LDL-Cholesterin der Schlüssel der Atheroklerose ist und bei einem LDL unter 70 mg/dl die Atherosklerose praktisch aufhört.
(16.03.2013, Update 26.05.2016)


Frage: Nach einem Artikel vor kurzer Zeit im JAMA (Katherine Flegal, JAMA 2, 2013, Vol 309, No. 1) ging weithin die Frage durch die Presse, ob das optimale Gewicht nicht im Bereich des bisher propagierten Idealgewichtes liegt, sondern deutlich darüber.  Ist das nur eine theoretische Debatte, oder hat das für den Alltag Bedeutung?

Antwort:
(Zuerst eine Anmerkung: Der Body-Mass-Index BMI errechnet sich so: Körpergewicht in Kilo geteilt durch Größe in Metern im Quadrat; also z.B. 2,0 m Körpergröße, 100 KG ergibt einen BMI von 100:4 = 25.)
Die Autorin hat 97 Studien und Arbeiten mit fast 3 Millionen Menschen ausgewertet und kommt zu folgendem Schluss: Menschen mit einem BMI  von 20-25 (nach herkömmlicher Norm Idealgewicht) haben ein 8% höheres Sterberisiko als Menschen mit einem BMI von 25-30 und immer noch ein etwas höheres Risiko als Menschen mit einem BMI von 30-35. Erst ab einem BMI über 35 geht das Risiko steil nach oben.
In unserem obigen Beispiel: Wenn unser Modellmensch mit 2,0 Metern Körpergröße von 100 auf 120 KG zunimmt steigt sein BMI rechnerisch von 25 auf 30 an. Sein Sterberisiko würde nach dieser neuen Arbeit dadurch nicht zunehmen. Erst ab einem Gewicht von 140 KG (bitte bedenken: bei angenommen 2 m Körpergröße) würde sich sein Risiko zu sterben deutlich erhöhen.  Oder: Eine Frau mit einer Körpergröße von 1,71 nimmt von 75 auf 90 KG zu, ihr BMI steigt dadurch von 25 auf 30. Ihr Risiko würde dadurch nicht zunehmen.
Ob das für den Alltag wichtig ist? Das werden die nächsten Jahre zeigen. Es könnte sein, dass das extreme Schlankheitsideal (Kate Moss, Audrey Hepburn u.a.)  allmählich seinem Ende zugeht.
Im medizinischen Bereich ändert sich für Nicht-Diabetiker nicht viel. Die Obergrenze BMI 35 (das wäre bei der genannten Frau von 171 cm eine Zunahme auf über  105 KG) bleibt für die Heilkunde als eindeutige Risikogrenze unverändert.
(09.01.2013)

Update (01.02.2013):
Der Pulverdampf dieser ziemlich emotional geführten Debatte hat sich inzwischen etwas verzogen. Ich wage eine Prognose: Am Ende des Tages wird sich vermutlich vor allem die Methode ändern, das Körpergewicht medizinisch zu beurteilen.
Wichtig ist offenbar (das ist natürlich keine neue Erkenntnis) nicht so sehr das Körpergewicht, sondern die Fettverteilung. Also: Bei gleich viel Fett am Körper macht es einen großen Unterschied, ob sich das Fett am Po und an den Oberschenken  oder am Bauch befindet (sog. Taille-Hüfte Verhältnis) Besonders ungünstig scheint zu sein: Dicker Bauch und schmächtige Arme/Beine.
Warum ist das so? Das Bauchfett (nicht das außen dran, sondern das im Bauchraum zwischen den Organen; Absaugen hat also keinen Wert) wirkt Hormon produzierend. Und zwar in einer ungünstigen Weise: Richtung Diabetes, Veränderung der Blutfette, Steigerung des Blutdrucks u.a.), eine Wirkung, die das Fett an Po und Beinen offenbar nicht hat.


Frage: Ich habe gelesen, dass gerade eine Studie abgebrochen worden ist, die mit Diabetikern Gewichtsabnahme und sportliche Aktivität  einübte, weil kein Effekt des Trainings und der Gewichtsreduktion auf die Herz-Kreislauferkrankungen zu beobachten war. Stimmt das?

Antwort: Sie beziehen sich auf die LOOK-AHEAD-Studie, die vom amerikanischen NIH (eine Gesundheitsbehörde) bezahlt wurde. 8-11 Jahre lang wurde dort die Hälfte der etwa 5000 Patienten in Ernährung und körperlicher Bewegung geschult. Erfolg: die Geschulten hatten im Mittel dauerhaft etwa 5% abgenommen, die Stoffwechsel- und Blutdruckwerte lagen günstiger. Es gab aber keinen Unterschied zwischen den Gruppen in Sterblichkeit, Herzinfarkt, Schlaganfall.
Das ist ein Rückschlag, keine Frage. Die Studie wird gerade heftig diskutiert. Eins ist klar: Es ist offenbar nicht so einfach, die Sterblichkeit und Krankheitswahrscheinlichkeit an Herz-Kreislauferkrankungen durch Lebensstiländerungen zu beeinflussen. 
(26.10.2012)


Frage: Bietet unsere Praxis sog. IGEL-Leistungen an, also Leistungen, die von der Krankenversicherung nicht übernommern werden? 

Antwort: Nein.
Ich bin der Überzeugung, dass in der Kardiologie alles Sinnvolle von der Krankenkasse bezahlt wird. Wichtige Ausnahme: einige sehr wirksame Blutfettsenker (z.B. Sortis) wurden von den Kassen lange Zeit nicht voll erstattet, erforderten also eine (saftige) Zuzahlung. Aber das ging nicht in unsere Kasse, sondern in die der Hersteller.
(05.02.2012)  


Frage: Was bedeutet in den Studien das Kürzel p


Antwort: p steht für Probability (Wahrscheinlichkeit). Die Aussage p < 0,05 meint, dass die Wahrscheinlichkeit kleiner als 5% ist, dass das Studienergebnis statistischer Zufall ist. Bei einem p = 0,5 ist die Wahrscheinlichkeit 50%, dass es sich bei dem Studienergebnis um Zufall handelt.
Nun gibt es eine Übereinkunft: Ein p-Wert von 0,05 oder kleiner bedeutet, dass man ein Studienergebnis für aussagekräftig hält. Diese Grenze ist beliebig festgelegt worden.  Man nennt das Ergebnis dann signifikant.
Immer wieder kam es in der Vergangenheit vor, dass Studienergebnisse einen p-Wert kleiner 0,05 hatten, und diese Ergebnisse trotzdem nie mehr wiederholt werden konnten. Sie waren also offensichtlich zufällig gewesen.
Wie kann das sein? Ganz simpel: Wenn Sie im Lotto gewinnen haben Sie ein Ereignis mit p < 0,0001. Und trotzdem war es Zufall. Das ist der Grund dafür, dass die Leitlinien für einen Evidenzgrad A zwei große Studien mit p< 0,05 mit dem gleichen Ergebnis fordern; für nur eine vorgelegte Studie gibt es nur den Evidenzgrad B. 
Ein berühmtes Beispiel: In einer Studien waren unter Gabe von Omega-3-Fettsäuren nur halb so viele Fälle von tödlichem Rhythmusstörungen aufgetreten. Ein Ergebnis, das einen sehr kleinen p-Wert aufwies. Dennoch konnte dieser Effekt in keiner der Folgestudien mit Omega-3-Fettsäuren bestätigt werden. Er war offensichtlich in dieser einen Studie zufällig aufgetreten.
(20.02.2011)


Frage: Was versteht man  eigentlich unter einer prospektiven, randomisierten, kontrollierten Doppelblind-Studie?

Antwort: Eine kontrollierte Studie vergleicht verschiedene Behandlungsmöglichkeiten und gibt eine Antwort, welche davon für die Patienten vorteilhaft ist. Sie gibt, wenn sie sauber durchgeführt wird, eindeutige und objektive Antworten auf die Fragestellung.

Sie wird von einem unabhängigen Expertengremium beobachtet und begleitet, das nicht selbst an der Durchführung beteiligt ist (sie ist damit kontrolliert).

Die Zuteilung der einzelnen Patienten zu den verschiedenen Studiengruppen erfolgt zufällig, d.h. durch Los (man nennt das randomisieren).

Die durchführenden Ärzte der Studie, wie auch die teilnehmenden Patienten, wissen nicht, zu welcher Behandlungsmöglichkeit welcher Patient zugeteilt worden ist (dies nennt man das Doppelblindprinzip).

Die möglichen Ergebnisse der Studie werden vor Beginn der Studie festgelegt (das nennt man prospekitiv), die Fragestellung  ist die sog. H0-Hypothese, die durch die Studie entweder bestätigt oder verworfen wird. Die Daten werden also nicht erst im Nachhinein auf mögliche Ergebnisse hin durchgeforstet.

Die Studie wird angemeldet und auch dann veröffentlicht, wenn "nichts herauskommt".

Während der Studie wird der Verbleib aller Patienten dokumentiert, also auch der Patienten, die während der Studie ausgestiegen sind.

Die Studie wird nach nachvollziehbaren statistischen Methoden ausgewertet, dafür gibt es eigene Fachabteilungen, die medizinische Statistik.

Berühmte Studien, sog. Landmark-Trials, sind z.B. ISIS 1, 4S, HOPE,  TIMI.  Sie können diese Studien googeln, ihre Ergebnisse sind auch nach Jahren noch wegweisend für die Behandlung.

Wenn man die oben gemachten Aussagen umkehrt, dann kann man sagen: Die meisten Irrtümer der letzten Jahren entstanden dadurch, dass  Studiendaten im Nachinein auf Ergebnisse hin durchgeforstet wurden.
Berühmtes Beispiel der letzten Jahre: Dronedarone (Handelsname Multaq) reduzierte in der ATHENA-Studie die Schlaganfallrate um 34%. Diese Fragestellung ("Reduktion der Schlaganfallrate") war aber nicht im Vorhinein festgelegt worden, das "Ergebnis" wurde erst im Nachhinein beim Durchsehen der Daten beobachtet. In der nächsten Dronedarone-Studie (PALLAS) , war die Schlaganfall-Rate unter Dronedarone doppelt so hoch wie in der Vergleichsgruppe ohne Dronedarone. Also war das ATHENA-Ergebnis offenbar zufällig gewesen. 
(17.09.2010, Update 05.02.2012, 26.05.2016)


Frage:Gibt es eine wirksame Vorbeugung gegen Demenz?

Antwort: Eine außerordentlich wichtige Frage. Es gibt viele Teilantworten: Körperliche Bewegung, soziale Aktivität, Teilnahme am Leben, Sex, Genuss von Nüssen, Gewichtsnormalisierung, eine sinnvolle Aufgabe  ... ... ... werden genannt.  DIE Antwort auf Ihre Frage gibt es nicht. MIr scheint, dass Demenz früher oder später jenseits der 80 das Schicksal  der meisten (übrigens nicht aller) Menschen ist. Die Frage ist eher, wann sie einsetzt.
Mir fällt immer wieder auf, dass Menschen, die z.B. bis ins hohe Alter einen anderen Menschen versorgen oder beruflich oder im Ehrenamt aktiv sind, deutlich länger geistig regsam bleiben.
Ganz dürftig sind die meisten Daten für eine medikamentöse Therapie, Ginkgo z.B.. Andere Medikamente (Mamantine z.B.) verzögern um einige Monate. 
(11.06.2010)


Frage: Gibt es neben den Risikoaktoren auch "günstige" Faktoren?

Antwort: Ja, natürlich. Z.B. tägliche Bewegung, schon ein täglicher zügiger Spaziergang von einer halben Stunde bringt etwas.
Im Bereich der Ernährung werden Nüsse,  pflanzliche Öle  (nicht erhitzen!)  und täglich eine geringe (!!) Menge Alkohol  genannt (etwa 0,1 l Wein).
Gewichtsnormalisierung beeinflusst den Blutdruck und die Neigung zum Diabetes günstig.
(20.05.08)

Update 01.02.2013
Bitte zu dieser Frage auch die oben diskutierten Ergebnisse der LOOK-AHEAD-Studie beachten. Es scheint nicht so einfach zu sein, durch ein paar einfache Lebensstiländerungen sein Herz-Kreislauf-Risiko zu verringern.
Absolut gesichert ist:
1- Rauchen aufhören bringt etwa 9-16 Lebensjahre.
2- Behandlung des Bluthochdrucks (wenn einer da ist) verringert insbesondere das Schlaganfallrisiko erheblich (Zielwert um 140/90 - 130/80 mm HG, nicht radikal senken).
3- Wenn eine Atherosklerose vorhanden ist bringt die Absenkung des LDL-Chosesterin mit einem Statin eindeutigen Nutzen.
4- Typ II-Diabetiker mit Übergewicht profitieren eindeutig von der Einnahme von Metformin.
5- Bei einem Body-Mass-Index über 35 ist Gewichtsreduktion wahrscheinlich von Nutzen.
6- Wahrscheinlich nützlich ist tägliche Bewegung, etwas Alkohol, viel Obst und Gemüse, Nahrungszusammensetzung im Sinne der sog. Mittelmeer-Diät.


Frage:Was ist ein vaskulärer Risikofaktor?

Antwort: Ein Risikofaktor macht eine Herz-Kreislauferkrankung wahrscheinlicher.
Das bedeutet: Unter 100 Patienten mit einem Risikofaktor treten mehr Herz-Kreislaufkrankheiten auf als unter 100 vergleichbaren Patienten ohne diesen Faktor.
Für den Einzelfall gibt ein Riskofaktor keine verlässliche Aussage. Deshalb ist die Aussage: "Mein Großvater hat geraucht und auch keinen Herzinfarkt bekommen" nicht sehr klug. Der betreffende Großvater hatte einfach Glück. Eine gültige Aussage über die Bedeutung eines Risikofaktors bekommt man nur, wenn man viele Menschen über Jahre hinweg beobachtet.

Beispiele für Risikofaktoren:

Zunehmendes Lebensalter.
Männliches Geschlecht.
Erhöhte Cholesterinwerte im Blut.
Bluthochdruck.
Diabetes mellitus.
Rauchen.
Bewegungsmangel.
Erhebliches Übergewicht.

Die zunehmende Behandlung der Risikofaktoren ist einer der großen Fortschritte in der Heilkunde in den letzten 30 Jahren. Bedenken Sie z.B.: Eine Schachtel Zigaretten/Tag, ein Leben lang geraucht, verkürzt das Leben im Mittel um ca. 12 Jahre.

Das alles klingt sehr simpel, ist es aber nicht. Z.B. haben die Franzosen nur halb so viele Herztodesfälle wie wir in Deutschland. Liegt es an den Risikofaktoren? Liegt es am Rotwein? Oder vielleicht vielmehr daran, dass Franzosen und Deutsche genetisch verschieden sind?  Oder am "way of life"?
(20.05.08)

Update 01.02.2013:
Gehen Sie doch einfach einmal im Internet auf eine der Risikorechner, z.B. PROCAM, geben Ihre eigenen Daten ein und errechnen Ihr Risiko. Dann "spielen" Sie, machen sich jünger oder älter, zum Raucher oder Nichtraucher etc.. Da bekommen Sie ein Gefühl dafür, welche Faktoren sich wie auswirken.

Frage: Bieten wir telemedizinische Dienste an, z.B. in der Überwachung von Herzschrittmachern/Defibrillatoren?

Antwort: Nein, zunächst ganz einfach aus organisatorischen Gründen. Wir sind ein kleines Institut und können keine Bereitschaft über 7 Tage pro Woche / 24 Stunden am Tag bieten, um ggf. auflaufende Störungsmeldungen zu beurteilen und auf sie zu reagieren.

(03.09.2017)


 

Frage: Ist die telemedizinische Überwachung von Herzschrittmachern/Defibrillatoren sinnvoll?

Antwort: Im Grundsatz ja.

Sinn ist, Störungen zeitnah zu erfassen, also z.B. einen drohenden Elektrodenbruch. Dadurch können den Patienten Schocks durch fehlinterpretierte elektrische Signale erspart werden.

Organisatorisch läuft das so, dass der Patient die Daten seines Aggregates über ein Modem oder (durch z.B. Bluetooth übertragen) über sein Handy an eine Zentrale sendet. Sort werden die auflaufenden Daten zeitnah (idealerweise innerhalb von Minuten) beurteilt und der Patient wird dann angerufen und entsprechende Maßnahmen werden veranlasst.

Es ist überflüssig zu sagen, dass solche Strukturen sehr aufwändig sind. Der Arbeitsplatz der Zentrale muss über 24 Stunden  jeden Tag besetzt sein und es müssen dort genug Experten ansprechbar sein, um eine zeitnahe Beurteilung jederzeit zu gewährleisten, und das auf fachlich hohem Niveau. Das ist organistorisch und natürlich letztlich auch finanziell anspruchsvoll. Die Finanzierung ist im Rahmen der Krankenversicherungen nicht geklärt.

(03.09.2017) 


 

 

mail: a.gittinger@web.de

Telefon Praxis: 0203/554206

FAX Praxis: 0203/554200

Ständige Erreichbarkeit: Diese Notfallnummer wird bedarfsweise Patienten vertraulich mitgeteilt.

 

Fachfragen: Am besten per mail. Wenn Sie Patient/in unserer Praxis sind bitte Name, Vorname  und wenn möglich Patientennummer (ID) angeben, diese ID erhalten Sie von mir in der Praxis  auf Anfage.

Fragen persönlicher Art beantworte ich wenn möglich fernmündlich oder im direkten Gespräch, im mail-Kontakt können nur Fachfragen allgemeiner Art bearbeitet werden. In jedem Fall wird der Datenschutz streng beachtet. Ihre Fragen (auch per mail) sind für Dritte nicht einsehbar.

Achtung: In Notfällen nicht mailen, da ich eine zeitnahe Bearbeitung nicht garantieren kann.

Fragen von allgemeinem Interesse beantworte ich öffentlich im Frage-Antwort-Teil auf der Seite "Fachinformationen". In diesem Fall werden persönliche Aspekte der Frage anonymisiert.